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projekte2018:sogressstmanhier

SO grüßt man hier (fei net!)*

*) „fei net!“ ist süddeutsch und stellt eine ermahnende Verneinung dar.

Kurzbeschreibung

Hier in unserer schönen Nachbarschaft kümmert man sich um einander. Wir passen auf, dass sich alle richtig anziehen und ordentlich benehmen - zur Not auch mit Gewalt.

Die Spielwelt

Du spielst den Kopf der Pinkies, einer ideologischen Gruppierung, die es für eine allgemeine Pflicht erachtet, pinke Kleidungsstücke zu tragen und sich mit Küsschen zu begrüßen. Kleidung in auffälligen Blautönen zu tragen, wie dies die Cyanisten zu tun pflegen, halten die Pinkies für höchst verwerflich. Ebenso lehnen die Pinkies die Begrüßung per Handzeichen - noch so eine Unsitte der Cyanisten - strikt ab.

Weil dir das Wohl deiner Mitmenschen am Herzen liegt, willst du natürlich dafür sorgen, dass alle den Gewohnheiten der Pinkies folgen. Dazu hilft es, mit gutem Beispiel voranzugehen: wer anderen begegnet, die pinke Kleidung tragen, wird vielleicht auch selbst einmal pinke Kleidung anprobieren - und auch die zivilisierte Art der Begrüßung, ein Küsschen statt einem Handzeichen, kann so zur allgemeinen Praxis werden.

Zur Not muss man aber auch mal nachhelfen: Denn Anwesenheit der Cyanisten und auch unentschiedener Individuen, die gar keiner Ordnung folgen, bedroht die sittliche Reinheit unserer Jugend. Deshalb kannst du die Pinkies beauftragen, ihre Mitmenschen anzusprechen, Info-Stände zu errichten oder die Einhaltung unserer Regeln zu kontrollieren.

Aber überlege dir gut, wem du diese Aufgaben erteilst! Wer zu radikal denkt oder eine grundsätzliche Gewaltbereitschaft vorweist, könnte die Menschen eher abschrecken, als sie zu überzeugen - oder womöglich sogar handgreiflich werden. Unsere Mitmenschen können leichter mit sanften Worten von unseren Werten überzeugt werden. Gleichzeitig musst du darauf achten, dass dabei unsere eigenen Leute keinen allzu laxen Umgang mit unseren Regeln erlauben.

Sorge dafür, dass möglichst viele unserer Nachbarn die Regeln der Pinkies einhalten.

Steuerung

Klicke auf Leute, um sie auszuwählen: dann siehst du (auf der linken Seite) nicht nur ihre Überzeugungen in Hinblick auf Kleidungsstil und Begrüßungsgesten, sondern auch wie sie heißen, welcher Ideologie sie offiziell angehören und welche besonderen Charaktermerkmale sie vorweisen.

Wenn du einen Charakter ausgewählt hast, kannst du diesem auch eine Aufgabe zuweisen (unten, v.l.n.r.): lass sie Leute ansprechen, Kontrollen durchführen, einen Info-Stand errichten, oder einfach nur weiter herumspazieren. Allerdings werden nur Personen auf dich hören, die sich zu den Pinkies bekennen! Alle anderen werden derartige Aktionen nur nach eigenem Gutdünken durchführen.

Wie weit du mit deinem Ziel gekommen bist, alle Menschen von der Lebensweise der Pinkies zu überzeugen, kannst du ungefähr am Fortschrittsbalken unten links erkennen: je mehr Leute sich mit Küsschen begrüßen oder Kleidung in pinker Farbe tragen, desto mehr Punkte erhältst du, wenn die Zeit abgelaufen ist. Wann das so weit ist, siehst du am Countdown gleich daneben. Das Spiel kann jederzeit per Klick auf die Ampel angehalten oder fortgesetzt werden. (Es startet pausiert.)

Spielablauf

In „SO grüßt man hier (fei net!)“ wird die Koexistenz verschiedener Ideologien beispielhaft simuliert. Diese Ideologien werden von den Menschen im Einzelnen nicht unbedingt in Reinform gelebt, sondern es gibt vielfache Überschneidungen und Annäherungen innerhalb der Nachbarschaft. Wenn sich Menschen auf der Straße begegnen, gewöhnen sie sich (in der Regel) allmählich an den Kleidungsstil/das Grußverhalten der anderen. Außerdem können andersdenkende am leichtesten durch gemäßigte Stimmen überzeugt werden.

Wenn die Spielerinnen und Spieler der Verwässerung der eigenen Ideologie entgegenwirken oder neue Anhänger gewinnen wollen, müssen sie entsprechende Aktionen in Auftrag geben. In der Regel wird dadurch die Überzeugung von der eigenen Ideologie gestärkt. Wenn eine Person aber sehr davon überzeugt ist, dass andere Kleidungsstile oder Begrüßung „falsch“ seien, wird sie zunehmend Begegnungen mit Andersdenkenden als unangenehm empfinden. Überzeugungsversuche bei sehr gegensätzlichen Meinungen gehen nach hinten los, können sogar zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen. Besonders radikale Anhänger einer Ideologie werden sogar ohne weiteren Anlass auf „falsch“ gekleidete oder grüßende Passanten losgehen. Am wahrscheinlichsten ist Gewalt (von beiden Seiten) aber grundsätzlich im Rahmen von Kontrollen: kontrolliert werden vor allem die eigenen Anhänger. Im Fall eines „Fehlverhaltens“ kommt es aber sehr schnell zu Gewalt. Radikalere Kontrolleure könnten sogar die Anhänger der jeweils anderen Ideologie kontrollieren - in diesem Fall ist Gewalt fast schon vorprogrammiert; auch, weil sich die Gegenseite von den Kontrollen belästigt fühlt.

Gewalt wirkt nur vorübergehend im Sinne der Anwender: die Geschädigten brechen ihre Aktivitäten vorerst ab und „korrigieren“ ihr Fehlverhalten für einige Zeit, ändern dabei aber nicht ihre Meinung. Zudem werden sie selbst eher gewaltbereit und können leichter für die Gegenseite (also die, die nicht gewalttätig wurde) gewonnen/von dieser radikalisiert werden. Auf Leute, die der „Prügel-Ideologie“ folgen, hören die Geschädigten erstmal nicht mehr. Gewalt stellt also einen Faktor für Radikalisierung auf beiden Seiten dar und schafft eine Situation, in der Gewalt immer häufiger und beide Seiten immer weniger gesprächsbereit werden. In dieser Situation können auch die Spielerinnen und Spieler in der Regel ihre Anhängerschaft nicht mehr vergrößern.

Idee

In „SO grüßt man hier (fei net!)“ sollen Ideologien nicht als grundsätzlich schlecht dargestellt werden. Die eigene Überzeugung kundzutun, sie sichtbar auf die Straße zu tragen und zu versuchen, andere Menschen dafür zu gewinnen, entspricht dem Grundrecht der Meinungsfreiheit. Auch die Sorge vor „kultureller Verwässerung“ ist aus der Perspektive der Anhängerschaft einer Ideologie verständlich. Problematisch wird es, wenn die Meinung allzu penetrant vermittelt wird: auch wenn solches Verhalten nicht klar reglementiert ist, neigt es dazu, andere eher abzuschrecken als zu überzeugen. Gewaltsames Vorgehen schließlich ist nicht nur moralisch verwerflich und kann zur Entfremdung der eigenen Anhänger führen, sondern letztlich auch zu einer (auswegslosen?) Polarisierung der Gesellschaft.

Das Spiel soll also dazu anregen, die Grenzen zwischen vertretbarer Überzeugungsarbeit und gewaltsamem/schädlichem Extremismus zu reflektieren.

Team

machina cogitans

Markus Kohle und Manuel „Eel“ Manhard

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Download

Sehr prototypiger Prototyp, der nichts erklärt… zumindest die Infos zur Spielwelt und Steuerung sind vorher sehr zu empfehlen.

projekte2018/sogressstmanhier.txt · Zuletzt geändert: 26.02.2018 15:33 von muzunoff